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Planerinnen in Sachsen

Claudia Bucher

Welche Erfahrung, welches Ereignis war für deinen beruflichen Werdegang prägend?

Ich habe zu DDR-Zeiten angefangen zu arbeiten und bin dann ausgereist, weil ich nicht so arbeiten konnte, wie ich das während meines Studiums gelernt habe. Es war traurig zu erfahren, dass alles, was in einem steckt, systembedingt nicht ausgeschöpft würde. Ich habe dann in Köln gewohnt und gearbeitet und war so glücklich, zu merken, dass die Grenzen, die es nicht nur in der Politik gab, sondern die sich auch im Kopf aufgebaut hatten, überwindbar sind.

Nach der Wende bin ich sofort in meine Heimatstadt zurückgekehrt, um dort so zu arbeiten, wie ich es wollte – das wollte ich niemand anderem überlassen.

Damals gab es zahlreiche Wettbewerbe. Und in dieser Zeit kamen zwei Kollegen aus Paris, die mit uns an einem Wettbewerb für die Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig teilnehmen wollten. Wir freundeten uns an und ich verbrachte so immer wieder Zeit in Paris. Dort traf ich auf Architekten aus aller Welt, die unbedingt dort arbeiten wollten. Das Risiko abgeschoben zu werden, schwebte ständig über Ihnen, aber sie hatten einen ungebremsten Gestaltungswillen. Das konnte ich sehr gut nachvollziehen.

Welche strukturellen Änderungen würdest du dir am Berufsbild wünschen?

Wir bearbeiten als Architekten die LPH 1-9 für unsere Auftraggebenden. In der Vergabephase wählen wir die Betriebe nach Kosten in Personalunion mit unseren AG aus. Während der Ausführung setzen wir durch, das alles detail- und kostengenau umgesetzt wird. Jedoch nach Fertigstellung kehrt sich die Situation um. Die Partei, mit der wir vorher Freund waren, wird, wenn es Probleme gibt – selbst, wenn diese nicht durch unsere Arbeit verursacht wurden – zu unserem Gegenpart. Denn dann stehen wir in Haftungsunion mit den Ausführenden. Das ist schade und ich wünsche mir daher eine Änderung der Gewährleistungshaftung.

Außerdem wünsche ich mir einen niedrigschwelligen Zugang zu fairen Wettbewerben.

Woran würdest du gerne mal arbeiten?

Ich würde gern mal an einer nachhaltigen Siedlung zum Leben in der Stadt arbeiten, in der die Bedürfnisse und Voraussetzungen der Stadt und Ihrer Bewohner aufgenommen werden. Ein Projekt zu machen, dass nicht über das Gewesene hinweggeht.

    Werdegang

  • 1982-1987

    Architekturstudium an der Kunsthochschule Berlin Weißensee

  • 1987-1989

    Anstellung beim VEB Innenprojekt Halle, NL Leipzig als Architektin

  • 1989-1991

    Anstellung bei Lamberti in Köln als Architektin

  • seit 1991

    freiberuflich mit eigenem Büro in verschiedenen Konstellationen und Arbeitsgemeinschaften

    Mitgliedschaften, Verbände, Ehrenamt

  • seit 1991

    Mitglied in der Architektenkammer Sachsen

  • 2001-2004

    Vereinsvorsitzende "Rettung Westbad e.V."/ Verein zum Erhalt des denkmalgeschützten Baus

  • 2014-2015

    Vertretungsprofessur HTWK Leipzig FB Bauwesen

  • 2019-2021

    Mitarbeit in der Initiative zur Vitalisierung der Grimmaer Innenstadt

  • WS 2024/25

    Vertretung "Konstruktives Entwerfen, Energieeffizientes Bauen" HTWK Leipzig FB Bauwesen

Welches Buch/Film/Ausstellung würdest du einer anderen Planenden empfehlen?

Kinder der Moderne - Vom Aufwachsen in berühmten Gebäuden, Robin Hood gardens, Klosterpark Altzella